Freitag, 22. Juli 2016

Gourmetmeilen 2016: „Bochum kulinarisch“ vom 10. bis zum 14. August



Pressekonferenz beim „Neuen“ (von links): Christian Molls (Tucholsky), Marko Michallek (Kümmel Kopp), Jana Litzke (Pablo), Alessandro Maceri (Franz Ferdinand), Sakura Wienand (Takeshi), Thomas Weiß (Gasthaus Weiß), Heinz Bruns (Haus Kemnade, Geschäftsführer Bochum kulinarisch) und Jürgen Löring (Gut Mausbeck). Foto: Stefan Kuhn / Bochum kulinarisch

Alteingesessen Bochumer werden Haus Oekey vermissen, das Traditionsrestaurant an der Universitätsstraße im 60s-Look, dem vor einiger Zeit die Bagger den Garaus gemacht haben - und damit auch eine Lücke in die Phalanx der Teilnehmer von „Bochum kulinarisch“ gerissen haben. Helmut Wichereks berühmte halbe Ente war schließlich jahrzehntelang ein beliebtes Standardgereicht auf der Gourmetmeile. Damit sich die Besucher auch weiterhin sich daran gütlich tun können, hat das Gasthaus Weiß aus Hattingen Bochums Kult-Ente als kulinarisches Erbe im neuen Kleid übernommen: gegrillt an einer Backpflaumensauce mit Baguette.

Das Festkomitee gibt bekannt:
Herwig Niggemann, Jürgen Löring,
Heinz Bruns und Thomas Weiß

Nach dem Abgang von Gründungsmitglieds Haus Oekey und Brauhaus Rietkötter füllen zwei „Neue“ die Lücken: Gut Mausbeck aus Gerthe und Franz Ferdinand vom Stadtpark. Auf Jürgen Lörings schmucken rekonstruierten Gerther Fachwerk-Anwesen fand auch die Pressekonferenz für „Bochum kulinarisch 2016“ statt. Heinz Bruns und Herwig Niggemann vom Veranstalter-Verein sowie eine Reihe weiterer Gastronomen stellten die neue Ausgabe der Gourmetmeile, die in diesem Jahr vom 10. bis zum 14. August 2016 stattfindet vor. Mit 28 Jahren gehört sie zu den Veteranen der kulinarischen Veranstaltungen und hat in dieser Zeit durch permanente Erneuerung eine Spitzenposition unter den meistbesuchten Gourmetmeilen in Ruhrgebiet verteidigen können. Nicht von ungefähr konnte Herwig Niggemann „Bochum kulinarisch“ als „13. Monat für die Gastronomie“ bezeichnen. Erfolgreichste Neuerung war das im letzten Jahr das eingeführte Frühstück am Sonntag, das in diesem Jahr in erweiterter Form erneut sattfindet.


Bochum kulinarisch findet vom 10. bis zum 14. August 2016 auf dem Massenberg-Boulevard in der Bochumer Innenstadt statt. Alle Infos hier.

Die Termine aller Gourmetmeilen im Ruhrgebiet 2016 finden Sie hier.


Donnerstag, 21. Juli 2016

Kulinarischer Treff an der Ruhr in Mülheim 2016: With A Little Help From My Friends



Fischgang
Schlosshotel Hugenpoet: Gebratenes Filet von der Dorade Royal
mit Artischockenstrudel und sizilianischem Tomatenconfit
Die Dorade perfekt auf der Haut gebraten, der Strudel erinnerte an Frühlingsrollen. Den Salat gab’s noch obendrauf, etwas mehr Tomatenconfit wäre schöner gewesen.

Allen Voraussagen zum Trotz startete heute die Mülheimer Gourmetmeile Kulinarischer Treff an der Ruhr bei idealem Wetter. Das hatten natürlich auch die Mülheimer spitz gekriegt, und so bevölkerten sie schon eine knappe halbe Stunde nach dem Anpfiff die Ruhrwiese an der Schlossbrücke und verbreiteten jene heiter-hungrig-genussselige Atmosphäre, die der Mülheimer Meile eigen ist. Die Mülheimer Gastronomen, die mit Hilfe einiger Freunde aus Essen (Hintergründe klick hier) ein schönes kulinarisches Programm auf die Reihe bekommen haben, konnten sich freuen.


Hier macht Schlange stehen Spaß

 Mit dem Fahrrad zur Gourmetmeile

Unterm Zeltdach findet jeder ein Plätzchen

 Hier kann man sogar die Deko essen


Und auch der Genießer bereute es nicht, eine Stippvisite vom westfälischen ans rheinländische Ruhrufer gemacht zu haben und labte sich an einem Menü, dass er sich an den Ständen zusammenstellte.

Vorspeise
Zum Dömchen: Balsamico-Linsensalat mit Datteln, Sherryessig, Staudensellerie und in Orangen-Dill hausmariniertem Lachs, Basilkumpesto
Schön komponierte Aromenparade, doch der Lachs hätte etwas mehr Marinade abbekommen können.

Gourmetgang
Gummersbach: Escalope de foie gras – Schnitzel von der Gänsemastleber, Schalottenmarmelade, Honigbrot, Banyuls
Eine süß-pikante Versuchung der Sonderklasse. Foie gras und eine Art Lebkuchen, das ist Weihnachten im Sommer. Dazu ein Gläschen Banyuls, ein roter französischer Süßwein (nicht im Bild): großartig.

Erfrischung Zwischendurch
Franky’s im Wasserbahnhof: Ipanema
Alkoholefrei Alternative zum Caipirinha

Dessert
Schloss Styrum: Basilikum-Quarkmousse, Erdbeeren und Vincotto
Vincotto (eigentlich „gekochter Wein“) ist eine italienische Würze, die aus eingekochtem Wein und Essig besteht und wie Balsamico verwendet werden kann. Er passte gut zu diesem eher würzigen als süßen Dessert, obwohl die Quarkmousse ein wenige mehr Basilikum verdient hätte.
(Etwas verwirrend für den Zugereisten ist, dass das Schloss Styrum im Lageplan und Inhaltsverzeichnis des Programmhefts als Frank Schwarz Gastro Group angekündigt wird.)

Der Kulinarische Treff an der Ruhr in Mülheim geht noch bis zum 24. Juli 2106. Alle Infos hier.

Dienstag, 19. Juli 2016

Genussbereit auf Facebook 6



Genussbereit ist auch auf Facebook vertrteten. Klick hier. Hier eine Übersicht der Beiträge anderer Web-Seiten, die in den letzten Tagen nur dort verlinkt worden sind.



WDR.Doku: Mahlzeit NRW! Klick hier
Slow-Food-Besuch auf dem Archehof Ibing. Klick hier
Eis aus Kohle. Klick hier
Kulinarische Termine im Ruhrgebiet. Klick hier
Wolfram Siebeck gestorben. Klick hier
Ziegenfarm in Herne. Klick hier
Duisburger Delikatessngeschäft schließt. Klick hier
Was sich 2017 bei Castrop kocht über ändern wird. Klick hier
Feierabendmarkt in Wanne. Klick hier
Essen in Deutschland. Klick hier
Steakhäuser in Deutschland. Klick hier
Die 50 besten Restaurants der Welt. Klick hier
Neue Eisdiele in Essen. Klick hier
Laurushaus im Schlosshotel Hugenpoet. Klick hier
Alte Apfelsorten am Niederrhein. Klick hier
Fleischersatz keine Alternative. Klick hier
Lieblingsbier im Revier. Klick hier
Erdbeeren-Pflücken im Ruhrgebiet. Klick hier
Biergärten im Ruhrgebiet. Klick hier

Montag, 18. Juli 2016

Kulinarischer Treff an der Ruhr 2016: Die Gourmetmeile in Mülheim startet am 21. Juli



Auch bei Regen ist man in Mülheim gut geschützt.

Während in Essen die Gourmetmeile abgebaut wird, steht man in Mülheim in den Startlöchern und beginnt langsam, die Ruhrwiese südlich der der Schossbrücke für den Kulinarischen Treff an der Ruhr 2016 zu präparieren. Hier präsentieren sich vom 21. bis zum 24. Juli 2016 zwölf Gastronomen und Getränke-Anbieter, umrahmt von einem netten Musikprogramm. Unter den Gastronomen befinden sich solche Mülheimer Klassiker wie Franky‘s am Wasserbahnhof, der Ratskeller aus dem Rathaus, Caruso aus der Stadthalle, Zum Dömchen in Saarn, natürlich das traditionsreiche Walkmühlenrestaurant sowie das italienische Restaurant Da Renato und das türkische Türkis.

Leider haben sich in den letzten Jahren die bekannten Mülheimer Spitzenrestaurants Mölleckens Altes Zollhaus, Pereira oder auch Landhaus Höppeler vom Kulinarischen Treff zurückgezogen; Mülheims Sternerestaurant Am Kamin war noch nie dabei. Aber unter dem Motto „Warum denn in der Nähe suchen, wenn man in die Ferne schweifen kann“ sind die Veranstalter in der Nachbarstadt Essen fündig geworden. Traditionell ist das Essen-Rüttenscheider Café Kötter beim Kulinarischen Treff dabei, und auch bekannte Spitzenhäuser wie Gummersbach aus Essen-Frintrop und Schloss Hugenpoet aus Kettwig machen einen Ausflug nach Mülheim. So betet der Kulinarische Treff an der Ruhr den Besuchern ein feines Programm.

Kulinarischer Treff an der Ruhr. Mülheim, Ruhrwiese (Auf dem Dudel). 21.-24.7.2016. Alle Infos hier.

Samstag, 16. Juli 2016

Essen verwöhnt 2016: Samstagnachmittag auf der Kettwiger Straße



Terror in Nizza, Putsch in der Türkei: Die Welt spielt verrückt, und die Essener freuen sich, nach Jahren endlich wieder einmal Gourmetmeilen-Wetter zu haben. Nicht nur der Freitag war fantastisch, freute sich Organisator Rainer Bierwirth. Den Samstag nutzte der Genießer, gemeinsam mit einem Kollegen bei bedecktem Himmel und lauem Lüftchen einen Nachmittag auf der der Meile zu verbringen. Was wir dabei vertilgt haben, sei hier dokumentiert, als Inspiration für Sonntag, den letzten Tag von „Essen verwöhnt 2016“. Die Auswahl der Gerichte stellt keine Wertung da, wir haben das gegessen, worauf wir ganz einfach Lust hatten. Die Reihenfolge der Fotos folgt der Reihenfolge der Stände im Programmheft.

Schote
Nordsee-Scholle
Spinat-Risotto, Pfifferlinge
Fisch und Pilze, die sich unter dem köstlichen Schaum-Sößchen verbergen, waren Spitze, der Reis naja.

Schote
Roastbeef „Gärtnerin-Art“
Béarnaise-Espuma, Kartoffelkrapfen
Der Kartoffelkrapfen verlor sich ein wenig neben dem großen fantastischen Stück Fleisch, schmeckte aber prima. Die Gärtnerin hatte für butterzartes Gemüse gesorgt. Top.

Sheraton
Linsen-Curry Eintopf
mit gebratenen Lammkoteletts
Wilde Mischung aus ostasiatischen (Kroepoek-Garnitur), indischen (süß-scharfe Curry-Linsen) und mediterranen (Lammkoteletts) Elementen. Hm.

Résidence
Nord-Nord-Ost
Gebratenes Schollenfilet mit Speck, gebräunter Butter & Petersilien-Kartoffelstampf
Zum Abschied von der Gourmetmeile macht die Résidence auf volkstümlich und spart nicht an Sauce. Darunter eine Scholle, die Ähnliches auf der Meile in den Schatten stellt. Und die mit Speck aromatisierten Schnittlauchröllchen: Entzückend.

Résidence
Erinnerung an Kindertage
Königsberger Klopse mit gebratener Kapernblüte, Meerrettich-Schaum, Duftreis und marinierte Rote Bete
Auch hier wird dem Volk aufs Maul geschaut, die Reismenge widerlegt das Vorurteil, in Sterne-Restaurants würde man nicht satt. Alles von samtig-betörender Aromatik, Klopse, Reis und Rote Bete versinken im Meerettichschaum. Mama hätte die Rote Bete für zu hart empfunden.

MUMM
Hausgebeizter Kaffee-Lachs
mit Wachtelei, Kaviar und Sambuca-Schmand an Kresse-Friseesalat
Der Lachs ist von Top-Qualität, bekommt das Kaffeearoma aber erst, wenn er in die auf den Teller gepinselte Sauce getaucht wird. Der Schmand alkoholisch, das Wachtelei etwas trocken.

Hannappel
Meerforelle in Gin-Tonic-Beize
mit Gurke, Sauerrahm und Passe pierre
Erfrischend im Mondrian-Stil angerichtete köstliche Lachs-Variation, elegant ergänzt durch Gurkensalat und Algen. Optisch und geschmacklich ein absoluter Genuss.

Hannappel
Geschmorte Ochsenbäckchen
mit Kartoffel-Stielmusstampf mit Röstzwiebelluft
Bestimmt keine heiße Luft: Gemeinsam mit den Ochsenbäckchen vom Parkhaus Hügel (Bild hier) eine würdige Fortsetzung der Bäckchen-Tradition, die einst von der Résidence bei „Essen verwöhnt“ begründet wurde. Selbst schon ein Meilen-Klassiker.

MEAT
„Wilde Crevette“
Geräucherte rote Wildfangcrevette aus Argentinien auf Vollkorn-Crostini mit Schweinebauch „sous vide“, Red Coleslaw und Portwein-Pumpernickel-Jus
Das modische Street Food erobert die Gourmetmeile. Die Crevette fantastisch, das Vollkorn-Crouton eine ungeröstete Scheibe Toast, dafür der „sous vide“ gegarte Schweinebauch beim nachträglichen Braten angekokelt. Nun ja.

MEAT
MEAT’s Apple BBQ Cheese Burger
Irischer Rindfleischburger , karamellisierte Apfelscheiben, Bacon, Gewürzgurke, Zwiebeln, Salat, Apfel-BBQ-Sauce, Baconjam, Cheddar
Noch einmal Street Food, diesmal als Burger. Schöne Idee: die Apfelnote. Das Rindfleisch-Patty sehr kompakt, die Brötchen kaum geröstet. 

Weitere Fotos von Gerichten. Klick hier.

Essen verwöhnt geht noch bis zum 17. Juli 2016.


Donnerstag, 14. Juli 2016

Essen verwöhnt 2016: Die Königin der Gourmetmeilen hält seit gestern Hof



 Schloss Hugenpoet
Hugenpoeter Würzbissen: Hummer mit Gewürzsauerrahm,
Pata Negra mit Paprika-Relish, hausgeräucherter Lachs
mit Gurken-Limetten-Joghurt


Glück gehabt: Gestern startete die Gourmetmeile „Essen verwöhnt“, und die in diesem Rahmen stattfindende Lange Tafel auf der Kettwiger Straße, bei der um die 600 Gäste von den veranstaltenden Gastronomien gratis verwöhnt wurden, lief reibungslos ab. Die Regenschauer, die bedrohlich über der Veranstaltung hingen, blieben aus, und so konnten sich die Leute an dem Drei-Gänge-Menü samt Getränken erfreuen, das ihnen serviert wurde. Am Sonntagmittag (17.7.) findet noch einmal die Bezahlversion der Aktion statt. Da kann man für 29,50 Euro pro Person (169 Euro pro 6er-Tisch) für die Tafel beim Restaurant seiner Wahl reservieren lassen, die um 13 Uhr aufgebaut wird. Einige Restaurants nehmen noch Reservierungen an.

Bevor der Trubel richtig losging, wurde vom Veranstalterverein „Essen genießen“ Berthold Bühler geehrt, der mit seiner Résidence in diesem Jahr das letzte Mal auf „Essen verwöhnt“ vertreten ist. Ende des Jahres geht der Patron in den Ruhestand und das hochdekorierte Restaurant in Essen-Kettwig.

Die Essener Gastronomen verabschieden Berthold Bühler.

Dann ist Nelson Müller mit seiner Schote der letzte Koch, der den Kult um die Michelin-Sterne bei „Essen verwöhnt“ hochhält. In goldenen Zeiten waren es drei Sternerestaurants, die der „Essen verwöhnt“ den Beinamen „Königin der Gourmetmeilen“ einbrachten – einzigartig für eine Veranstaltung dieser Art, nicht nur im Ruhrgebiet.

Die Standdichte in der Essener Innenstadt scheint 2016 etwas ausgedünnt, und in der Tat sind es zwei Teilnehmer weniger als sonst, die durch die Verschiebung der Veranstaltung wegen der Fußball-EM in Terminschwierigkeiten geraten waren und nicht mitmachen können.

Die Qualität der angebotenen Speisen hat dadurch aber nicht gelitten. Davon konnte sich der Genießer bei einem kurzen Rundgang überzeugen. Nachdem er bei Schloss Hugenpoet eine kleine Vorspeise zu sich genommen hatte, bei Michael Hau vom Parkhaus Hügel das erste Mal reingehauen, bei Rino Frattesi vom La Grappa alles mit Schampus begossen und ein zweites Mal zugeschlagen hatte, blieb ihm nur noch die zufriedene Heimfahrt übrig.


Parkhaus Hügel
Hausgemachte Lammbratwürstchen mit
Kartoffel-Knoblauch-Püree und gebackenem Wirsing

Parkhaus Hügel
Geschmorte Ochsenbäckchen mit Chili,
dunkler Schokolade und Serviettenknödel

La Grappa
Duo von Tenderloin und Steinpilz-Trüffel-Gnocchi

La Grappa
Cassatina – Ricotta-Marzipantörtchen auf flüssigem Espresso-Sorbet

Für weitere Fotos und Beschreibungen von Gerichten bitte hier klicken.

Essen verwöhnt geht noch bis zum 17. Juli 2016. Alle Infos hier.

Dienstag, 12. Juli 2016

Burgundisches Ruhrgebiet: Ein Bresse-Huhn aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, ein rheinhessischer Frühburgunder, Kartoffelplätzchen, eine Sahnehaube und ganz viel Butter




Das Bresse-Huhn und die San-Marzano-Tomate haben gemein, dass ihre Namen doppeldeutig sind. Einmal steht die Bezeichnung für die Rasse oder Sorte, und einmal für die Herkunftsregion, aus der sie ursprünglich stammen. Die Hühnerrasse oder Tomatensorte kann überall auf der Welt gehalten oder angebaut werden, aber will man Produkte aus der betreffenden Region haben, so müssen sie das Sigel der entsprechenden französischen AOC bzw. der italienischen DOP kommen. Die strengen Bestimmungen der Appellation bzw. Denominazione legen die kontrollierte Herkunft und Produktionsregeln genau fest und bürgen für höchste Qualität.

Die äußeren Merkmale der Bresse-Huhn-Rasse sind das weiße Gefieder, der rote Kamm und die grau-blauen Füße, in denen man die Farben der französischen Trikolore wiederfinderfinden kann. Die wichtigsten AOC-Regeln der Bresse, einer Landschaft im französischen Burgund, besagen, dass pro Huhn 10 qm Auslauf im Freien auf Weiden und in Maisfeldern gewährleistet ist, wo sich das Huhn sein Futter selbst suchen kann. Vor der Schlachtreife von mindestens vier Monaten werden sie mit einem Mais-Molke-Gemisch eine gewisse Zeit gemästet.

Bresse-Hühner im Ennepe-Ruhr-Kreis (Archivbild)

Ob die Bresse-Hühner, die Sonia Gehlen-Bremer auf ihrem Archehof auf einer Alm im Ennepe-Ruhr-Kreis hält, alle AOC-Regeln erfüllen, weiß ich nicht. In Burgund liegt der Hof jedenfalls nicht. Aber von der Lebensqualität, die die Hühner genießen, können sich die Züchter in der Bresse eine Scheibe abschneiden. Die Tiere laufen frei auf dem Hof und den umliegenden Bio-Schafsweiden herum, können sich nach Gusto an Grünzeug und Insekten gütlich tun und ihr Sozialverhalten ausleben. In Maisfelder können sie nicht hinein, denn hier gibt es keine – aus ökologischer Sicht ein großes Glück. Nur selten gelangen diese westfälischen Bresse-Hühner in den Verkauf, Sonia Gehlen-Bremer geht es mit ihrer Zucht nicht um den Vertrieb, sondern um die Erhaltung und Pflege der alten Rasse. Wer Glück hat, kann vielleicht bei den Marktterminen von Manufactum in Waltrop, bei denen sie gelegentlich vertreten ist, eines ergattern.

 Bresse-Huhn mit Innereien

Ich konnte neulich eines der seltenen Exemplare erstehen, zu 23 Euro für das 1,5 Kilogramm schwere Huhn. Im Vergleich zu den Preisen, die Feinschmecker für ein Stück industriell aufgepimptes Edelrindfleisch bezahlen, ein Klacks. Um den individuellen Eigenschaften des Huhnes die Ehre zu erweisen, suchte ich nach einem Rezept, das dem Eigengeschmack des Fleisches entgegenkam und wurde in einem hübschen Filmchen auf YouTube fündig: Bresse-Huhn geschmort mit Zwiebeln, Möhrchen, Pilzen und Sahne. Auffällig war, dass bei diesem Rezept untypischer Weise dem Hühnchen keinerlei Schärfe zugewürzt und vor allem völlig auf Säure verzichtet wurde. Andere ähnliche Rezepte schmorten in Weißwein und benutzten Crème fraîche, hier wurden Hühnerbrühe und Schlagsahne verwendet. Zusätzliche Würze bekam das Fleisch nur durch ein dickes Kräuterbund aus Thymian, Rosmarin und Lorbeerblatt, dem ich auch noch ein paar Stengel Estragon zugab, der auf meinem Balkon vor sich hin wuchert.

Kräuterbund vom Balkon

Vorgegart: z.T. gekocht, z.T. gebraten

Dass im Rezept auch völlig aufs Anbraten und somit auf eine schöne Farbe und Röstaromen verzichtet wird, irritierte mich dann doch. Die Hühnerstücke sollten vor dem Schmoren nur ein wenig in Brühe gekocht werden. Ich kam auf die Idee, nur einen Teil der Stücke auf diese Art vorzugaren, die anderen briet ich in Butter schön kross braun an.

Mit geschmort: Pilze, Zwiebeln, Möhrchen

Überhaupt Butter, die kam gehörig zum Einsatz: beim Anbraten des Schmorgemüses und beim Anbraten der Austernpilze, die ich um eine Handvoll Pfifferlinge ergänzte. Und auch die Schlagsahne, die alles krönte, war nicht gerade unfettig. Aber wenn ich mir betrachtete, wie wenig eigenes Fett das Huhn dank stetem Auslauf und Freilanddiät aufwies, kam ich zu dem Schluss, dass beides nicht schaden konnte. Und Butter ist schließlich ein 1a-Geschmacksbringer.

Die Sahnehaube

Heraus kam schließlich ein wunderbar klassisches Gericht, das mit eleganter Zurückhaltung den nussigen, fast cremigen Eigengeschmack des Bresse-Huhnes in den Vordergrund stellte. Beilage waren wie vorgesehen kleine Kartoffelplätzchen, getrunken wurde dazu, um das Burgundische aus deutschen Landen zu unterstreichen, ein Frühburgunder vom rheinhessischen Weingut Stauffer.
Um auf die Erdigkeit des Hauptgerichts hinzuführen, gab es als Vorspeise eine Gelbe-Bete-Carpaccio mit Ziegenfrischkäse und ein paar übrig gebliebenen Pfifferlingen (Rezept hier). Als Nachtisch hätte die Aprikosen-Ziegenfrischkase-Tarte von letzter Woche (Rezept hier) gemundet, wenn noch ein Stück dagewesen wäre.



Rezept: Westfälisches Bresse-Huhn, mit Pilzen, Möhrchen, Zwiebeln und Sahne geschmort

1 Bresse-Huhn, 1,5 kg
250 g Möhrchen
250 g Zwiebeln
¼ l Hühnerbrühe
Butter
Pfeffer
Salz
Kräuterbund aus Thymian, Rosmarin und Estragon
500 g Austernpilze und Pfifferlinge
500 g Schlagsahne

Ofen auf 170 Grad vorheizen.
Bressehuhn in sechs bis acht Teile zerlegen. Leicht pfeffern und salzen.
Möhrchen und Zwiebeln in kleine Stücke schneiden und in einer genügend großen Kasserole in Butter anbraten. Kräuterbund und die Hälfte der Hühnerteile dazugeben. Heiße Hühnerbrühe dazugeben und langsam einkochen lassen.

In der Zwischenzeit die anderen Hühnerteile in Butter kusprig braun anbraten. Ebenfalls in die Kasserole geben.
Mit geschlossenem Deckel in den vorgeheizetn Ofen geben und 25 Minuten schmoren lassen.
In der Zwischenzeit die Pilze in gleich große Stücke schneiden, pfeffern, salzen und in Butter anbraten.
Sahne steif schlagen.
Nach 25 Minuten Kasserole aus dem Ofen nehmen. Falls nötig, etwas Flüssigkeit nachfüllen. Pilze und geschlagene Sahne dazugeben und noch einmal 20 Minuten im Ofen fertig schmoren.

Nun die Kartoffelplätzchen zubereiten.

Rezept: Kartoffelplätzchen

3-4 mehlig kochende Kartoffeln
1 halbe Tasse Milch
2-3 EL Mehl
1 Ei
Pfeffer, Salz
Muskat

Kartoffeln schälen, reiben und mit den anderen Zutaten zu einem flüssigen Teig verrühren. Mit Salz, Pfeffer und geriebener Muskatnuss würzen.
In einer Pfanne aus jeweils 1 EL Teig in heißer Butter kleine Küchlein backen.

Wenn das Huhn fertig ist, aus dem Ofen nehmen, etwas ruhen lassen. Hühnerteile mit etwas Schmorgemüse und Sauce gemeinsam mit den Kartoffelküchlein auf vorgewärmten Tellern anrichten.



Sonntagsessen: Gelbe-Bete-Carpaccio mit Ziegenkäse und Pfifferlingen als Vorspeise




Rote Bete ist ja bekannt, aber es gibt die erdigen Knollen auch in anderen Farben.


Rezept: Gelbe-Bete-Carpaccio mit Ziegenkäse und Pfifferlingen

2 Knollen gelbe Bete
2-3 EL Pfifferlinge
1 EL Ziegenfrischkäse
Petersilie gehackt

Für die Marinade:
1 Teil Himbeeressig
2 Teile Rapsöl
Salz, Pfeffer
Zucker

Gelbe Bete schälen und in dünne Scheiben hobeln. Die Scheiben knapp 5 Minuten in Salzwasser blanchieren. Aus dem heißen Wasser nehmen und mit eiskaltem Wasser abschrecken. Abtropfen lassen.
Pfifferlinge in Butter anbraten, salzen und pfeffern und in der Pfanne durchgaren.
Für die Marinade Salz und Zucker in Himbeeressig auflösen. Pfeffer und Rapsöl dazu geben und aufschlagen, bis alles schön emulgiert. Abgetropfte Gelbe-Bete-Scheiben darin eine Viertelstunde marinieren.
Marinierte Gelbe-Bete-Scheiben auf einem Teller verteilen und mit dem Ziegenfrischkäse und den Pfifferlingen garnieren. Gehackte Petersilie und Pffer aus der Mühle darüber streuen.



Montag, 11. Juli 2016

Ruhrgebeef: Neue Zeitschrift über den Küchenkult ums Fleisch im Ruhrgebiet




Seit knapp einer Woche im Zeitschriftenhandel ist „Ruhrgebeef“, das neuste Produkt des Überblick-Verlags, der auch die „Geht aus“-Restaurantführer im Ruhrgebiet herausgibt. Die Ähnlichkeit zum großen Vorbild „Beef“ ist offensichtlich, nur das alles über den Küchenkult ums Fleisch hier auf die Region heruntergebrochen ist – im Ruhrgebiet, dem angeblichen Mutterland von Currywurst und Freizeit-Grillen schon lange überfällig. (Was sagt eigentlich die vegane Jugend aus der Kulturwirtschaft dazu?)

Der Leser erfährt u.a., was im Ruhrgebiet ein Wiener Schnitzel ausmacht, was es mit 880-Grad-Grills und dem neuen Trend zum Burger auf sich hat und auch sonst allerlei. Mal gucken, was im nächsten Heft noch steht. Zwei Artikel des Genießers sind auch drin: einer über dry-aged Fleisch von regionalen Rindern und einer über die Taube als Ruhrgebietssymbol. Der Genießer bedankt sich noch einmal herzlich bei Eric Werner von der Résidence, Christoph Wlotzki vom FrischParadies in Essen und Felix Bontrup vom Wochenmarkt in Bochum sowie Philip Diergardt vom Hattinger Restaurant „Diergardts Kühler Grund“ und Mirco Wohlfahrt von der Wittener Metzgerei „Emil Kern“ (Facebook)  für ihre kompetenten Auskünfte über Taube bzw. Fleisch.

Ruhrgebeef. 116 Seiten. Überblick Verlag. 6 Euro. Hier erhältlich

Sonntag, 10. Juli 2016

Porto Bocho Sommerfest: Großes Bochumer Weinspektakel im August



Am 21.8. findet am Kemnader See das große Sommerfest des Bochumer Weinklubs Porto Bocho statt, eine Sause, der Dirk Würtz, Weinblogger, Rock’n’Roller und Kellermeister des altehrwürdigen Weinguts Balthasar Ress im Rheingau, jetzt schon das Potenzial als „Fest des Jahres“ attestiert.

Mit dem Weinklub Porto Bocho hat sich ausgerechnet in Bochum etwas entwickelt, was die etwas in eine ritualiserte Agonie gefallene Weinwelt (der Fachhandel widmet sich z.Zt. lieber dem Whisky als dem Wein) einen heilsamen Tritt in den Hintern geben kann (und sich vom populistischen Bermudadreick-Gastronomie-Einerlei in Bochum wohltuend abhebt). Es haben sich da vor drei Jahren jüngere Weinfreaks zusammen getan, die sich mit immer aufwendiger gewordenen Veranstaltungen immer mehr in die Öffentlichkeit gespielt haben. Was immer „jüngere“ auch heißen mag, es ist natürlich aus der Sicht des Genießers gesehen. Manche kennt er als aufmerksame Leser und Kommentatoren seines Blogs „Genussbereit“ schon lange (und wenn sie ihn ansprechen, siezen sie ihn! tztz …). Was sie auszeichnet, ist ein professionelles Wissen über Wein und Kochen - und nicht zu vergessen die eiserne Trinkfestigkeit, mit der man die Weinabende gesundheitlich überstehen kann. Immerhin sind die jungen Köche der Bochumer Restaurants Livingroom und Five Boris Geigenmüller und Tibor Werzl oder so bemerkenswerte Hobbyköche wie Sebastian Enste dabei, der als eifriger Hospitant bei Daniel „Herrn B.“ Birkner den Herd zu bedienen lernte. Die Enkel von Wolfram Siebeck und die Kinder von Stuart Pigott und des Internets ergreifen die Macht.

Das Tolle am Weinklub Porto Bocho ist, das kein Weinfachhändler mehr dahinter steht. Für die Generation des Genießers waren die Verkostungen und Hausmessen der Weinfachhändler im Ruhrgebiet noch die Initiationsrituale als Weintrinker, und auch heute gibt es da noch so manche Highlights. Doch Porto Bocho nimmt sofort zu den Winzern Kontakt auf und umgeht so die Vermittler. (Und setzt so eine uralte deutsche Tradition fort. Früher fuhren die Leute aus dem Ruhrgebiet für einen Wochenendausflug zu ihrem Winzer des Vertrauens, den sie auf einem feucht-fröhlichen Straßenweinfest kennen gelernt hatten, an Rhein oder Mosel und luden sich den Kofferraum mit einer Jahresration zum Schnäppchenpreis voll.)

Porto Bocho betreibt keine zaudernde Weinpädagogik, sondern geht richtig ins Eingemachte. Ob junge Wilde oder altehrwürdige Klassiker, alles wird getrunken und probiert, man hat keine Angst vor dem Elitären und auch der Preis spielt kaum eine Rolle. Vermittelt werden die ertrunkenen Erkenntnisse neuerdings im Blog zero-dosage.com mit tollen Texten und noch tolleren Fotos oder auf Facebook. Aber es wird auch deutlich: Marketing spielt hier keine Rolle (obwohl man davon sicherlich Ahnung hat), es geht um Leidenschaft. Man wirft sich keiner Zielgruppe an den Hals, sondern die Zielgruppe artikuliert sich selbst.

Das Porto Bocho Sommerfest in den Ruhrwiesen am Kemnader See ist die bislang größte Veranstaltung, mit der der Weinklub an die Öffentlichkeit tritt. Über 30 Winzer präsentieren sich, und es gibt ein Programm für die ganze Familie. Früh übt sich, was ein Weintrinker werden will.

21.8.2016. Porto Bocho Sommerfest, Kemnader See, Bochum. Alle Infos hier.