Dienstag, 23. August 2016

Herbst-Aktionen 2016: Restaurant-Karussell und Westfalen-Gourmetfestival



Léa Linster beim Westfalen Gourmetfestival,
Berthold Bühler beim Restaurant-Karussell

Während die wettertechnisch launische gastronomische Outdoor-Saison mit der „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein in Essen noch einmal auf einen tropischen Höhepunkt zusteuert und nächste Woche dann mit dem „Kulinarischen Altstadt Markt“ in Hattingen und „Steele à la carte“ im Essener Osten stimmungsvoll auspendelt, beginnt am Wochenende der Herbst mit seinen Indoor-Veranstaltungen. Am 26. August startet in Essen die Herbst-Ausgabe des „Restaurant-Karussells“ von Essen genießen e.V., bei dem bis zum 9. Oktober 33 Restaurants mit einem speziellen Menü-Angebot aufwarten. Eine wunderbare Gelegenheit, von Berthold Bühler und seinem 2-Sterne-Restaurant Résidence in Kettwig Abschied zu nehmen, das bekanntlich Ende des Jahres seine Pforten schließt. Alle Infos zum Restaurant-Karussell hier.

Am 29. August findet in der Rohrmeisterei Schwerte die – ausverkaufte - Eröffnungsgala des diesjährigen Westfalen-Gourmetfestivals statt. Leider nimmt außer der Rohrmeisterei in diesem Jahr kein weiteres Restaurant aus dem westfälischen Ruhrgebiet an dieser Aktion teil, doch es lohnt sich, Ausflüge ins Münster- oder Sauerland zu den Menüveranstaltungen namhafter westfälischer Restaurants mit bekannten Gastköchen zu machen. Die Rohrmeisterei tischt Ende Oktober/Anfang November noch fünf Mal im Rahmen des Festivals auf. Am 7. November wird z.B. die alte Freundin des Hauses Léa Linster erwartet. Alle Infos zum Westfalen-Gourmetfestival hier.

Sonntag, 21. August 2016

Bochum: Ein Besuch im „Neuland. Bar. Bistro. Stadtzimmer“ in der Rottstr. 15



 Im Glas funkelt ein Tariquet.

Man kann von den pingeligen Essgewohnheiten der Jugend von heute denken, was man will. Veganismus oder der neue Burger-Kult machen immerhin deutlich, dass sich die Leute Gedanken um die Qualität des Essens und der Zutaten machen. Das war nicht immer so. Als der Genießer vor etwa 25 Jahren begann, sich mit der Gastronomie kritisch auseinanderzusetzen, waren mexikanische Restaurants in Mode. Mit Schaudern denke ich an den Eröffnungspressetermin eines Mexikaners in Dortmund-Hörde zurück, auf dem der Betreiber voller Stolz verkündete, keinen Herd in der Küche zu haben. Stattdessen präsentierte er eine Batterie von Mikrowellen, in denen die Fertiggerichte aus den dazugehörigen Tiefkühltruhen aufgetaut wurden. Das einzige, was in zwei Fritteusen frisch zubereitet wurde, waren die Pommes.

Moderne von gestern im Blaubuchsenviertel

Das ist im Neuland anders. „Selbstverständlich kochen wir nur frisch und legen Wert auf gute Zutaten, besonders beim Fleisch“, sagt Andreas Browa, der die mit den Prädikaten „Bar, Bistro, Stadtzimmer“ versehene ehemalige Eckkneipe im Bochumer Griesenbruch seit zweieinhalb Jahren betreibt. Regelmäßig finden hier Kulturveranstaltungen statt und setzen die Tradition fort, die die Adresse Rottstr. 15 seit dem Kulturhauptstadtjahr hat. Im Zug des damaligen Kreativwirtschaftshype und dem beginnenden Bau des Bochumer Musikzentrums, das in diesem Herbst tatsächlich eröffnet wird, hatten die Stadtplaner das westlich der City gelegene Stadtviertel zwischen Viktoria-, Hattinger, Bessemer-, Allee- und Rottsraße mit seiner 50-er-Jahre-Architektur kurzerhand zum ViktoriaQuartier umfirmiert, in der Hoffnung, es würde einen ähnlichen Aufschwung nehmen wie das Bermudadreieck. Die Gastronomien am Hans-Ehrenberg-Platz boten dafür ein schönes Beispiel. Ein großer Schritt war die Etablierung des Moltke Marktes auf dem Springerplatz, und auch die Eröffnung des spanischen Restaurants „La Mesa“ im edel renovierten „Bessem-Carré“ (klick hier) scheint zu funktionieren. Doch der soziale Wandel im ehemaligen Blaubuchsen-Viertel geht nur langsam voran.

Urbanes Wohnzimmer.

Auch das Neuland profitierte ein wenig von der Politik und fand bei der Gründung Unterstützung beim Kulturamt der Stadt, das sich beim Ordnungsamt für den Laden einsetzte. Doch das Szenepublikum hielt sich leider nicht so ganz an die Vorgaben der Stadtplaner und fand in letzter Zeit seine neue Heimat eher am Kortländer, da wo sich die Ausfallstraßen Dorstener und Herner Straße am nördlichen Rand der City endlich küssen. „Da fehlt mir jetzt die Laufkundschaft“, meint Andreas etwas sehnsüchtig.

 Leckere Frischeküche.

Von den gebratenen Sesamgnocchi mit Fenchel, Kirschtomaten, Parmesan, Dattel-Pflaumen-Pesto und Schweinefilet (16,80 Euro), die Andreas mir von der kleinen Karte serviert, bin ich jedenfalls begeistert. Alle Aromen sind präsent, und das Filet ist schön saftig. Dazu ein Glas Tariquet, was Besseres kann es an einem späten Samstagnachmittag kaum geben.

 Clash der Wohnkulturen.

Während ich esse, ergötze ich mich an der Einrichtung des Ladens. Es ist jener postmoderne Wohnzimmer-Altmöbel-Stil, den ich seit meiner Studienzeit in den 1970-er Jahren aus den Fachschaftsräumen an der Uni und der Hausbesetzerzeit in den 1980-er Jahren kenne. Wie Jahresringe sind die Dezennien der letzten 60 Jahre erkennbar. Pseudobarocke Sitzmöbel sogar noch aus der Vorkriegszeit, Lampenschirme aus den frühen 1950ern, eine Musiktruhe und Kunstledersessel aus den 1960ern, Kneipenstühle aus den 1970ern und ein Thekenbereich aus der Neuzeit. Und langsam füllt sich das Neuland auch mit weiteren Gästen. Ich bin überrascht – es sind keine bärtigen Hipster, sondern ein anscheinend gut situiertes Ehepaar um die 60.

Neuland. Bar. Bistro. Stadtzimmer. Rottstr. 15, Bochum. Dienstag bis Donnerstag 17.30-23Uhr, Freitag und Samstag 17-1 Uhr, Sonntag 15.30-23 Uhr. Infos auch übers Kulturprogramm hier. 


Tapenade-Häppchen zum Wein.

Einst als Eckkneipe gebaut.

Hauptsache gesund!



Freitag, 19. August 2016

Gourmetmeilen 2016: „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein in Essen startet am 25. August



Mit dabei auf Zollverein: TV-Stars und Sterneköche
Björn Freitag und Nelson Müller

Darüber, dass ausgerechnet eine kulinarische Tradition, die im Kulturhauptstadtjahr 2010 begründet wurde, mit beständiger Nachhaltigkeit den Begriff „Metropole Ruhr“ hoch hält, freut den Genießer wie ein Schneekönig. Umso mehr, als das Schlagwort „Ruhrgebietsküche“ nach wie vor von den meisten mit einem skeptischen „Gibt’s doch gar nicht“ kommentiert wird.


 Das gibt es nur auf Zollverein:
Das Abendmahl unterm Doppelbock. Am Mittag.

Damals hatte Rainer Bierwirth vom Verein „Essen genießen“, der schon die Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ organisiert, die Idee, eine städteübergreifende Meile auf die Beine zu stellen, die die Gastro-Landschaft des gesamten Ruhrgebiet abbildet. Als ideale Kulisse konnte er dafür das Weltkulturerbe Zollverein im Essener Norden gewinnen, und mittlerweile ist es das siebte Mal, dass die „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ dort stattfindet. 17 Gastronomen aus acht Ruhrgebietsstädten nehmen daran teil.

Ob die Auswahl wirklich repräsentativ für die Städte und die Region ist, sei einmal dahin gestellt. Manch wichtiges Restaurant fehlt bedauerlicherweise, so z.B. das auf Zollverein ansässige Casino, das sich ein publikumswirksames Heimspiel durch die Lappen gehen lässt.


Leckere Häppchen gabs auch.

Die Auswahl der Gerichte aber, die die Teilnehmer besonders auch in der Rubrik „Bergmannsgericht“ anbieten, verschaffen dem Feinschmecker allerdings einen tiefen Einblick in die Küche der Region weit über die Currywurst hinaus.

Mit den Fernsehstars Nelson Müller und Björn Freitag kann die „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auch zwei teilnehmende Sterneköche aufweisen. Nelson Müller ist tatsächlich mit seiner besternten „Schote“ dabei und nicht „nur“ mit seiner Brasserie „Müllers auf der Rü“. Björn Freitag und sein Sterne-Restaurant „Goldener Anker“ konnte man bisher nur bei einem kurzen Intermezzo auf der Gourmetmeile in Schermbeck genießen.

Sitzend am Tisch: Brauer Axel Stauder, Nelson Müller,
Rainer Bierwirth, Zollverein-Vorstand Hermann Marth, Björn Freitag

Welch einen Anspruch die „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ vertritt, demonstrierte man heute auf einer Pressekonferenz. Die Teilnehmer stellten kurzerhand Leonardos Abendmahl unterm dem Doppelbock von Zollverein nach.

Gourmetmeile Metropole Ruhr. 25.-28. August 2016. Zollverein Essen. Alle Infos hier.



Donnerstag, 18. August 2016

Auf dem Balkon: Pfannenpizza "nach Genießerart" und "Margherita"



 Es war der „Saucy Chef“ Francesco Strazzanti (hier auf Facebook), der den Genießer vor einiger Zeit auf die Idee mit der Pfannenpizza brachte. Eine ideale Methode, den Pizzaboden schön knusprig zu kriegen und den Belag nicht verbrannt, wenn man nur einen normalen Backofen zur Verfügung hat.

Der Teig wird dünn und knusprig.

Dabei brät man Pizzateig in einer gusseisernen Pfanne bei mäßiger Hitze mit Deckel an, bis er braun ist, belegt ihn nach Wahl und backt die Pizza dann auf der mittleren Schiene fertig. Man kann denn Teig auch erst auf beiden Seiten bräunen, dann belegen und alles mit Deckel in der Pfanne auf dem Herd fertig backen.

Nach Genießerart mit
weißem Pfirsisch, Mozzarella und Speck.

Ich probierte die Methode mit zwei Belägen aus. Für die Pizza nach Genießerart ließ ich mich von der „Speciale“ mit Birne, Speck und Mozzarella aus dem Hattinger Ristorante „Da Mario“ inspirieren, ersetzte aber die Birne durch einen weißen Plattpfirsich. Der Pfirsich war noch ziemlich hart, darum tat ich ihn sofort auf die Pizza, als ich sie in den Ofen schob. Wäre er schon weich gewesen, hätte ich ihn erst zum Schluss mit den dünnen Speckstreifen drauf getan.

Pizza Margherita

Für die Pizza Margherita hätte ich natürlich die kleinen Tomaten von der Amalfi-Küste gehabt, die dort pendolini heißen, und als Mozzarella die wunderbare fior di latte aus Kuhmilch, die von einer besonderen Rinderasse aus Agerola auf der Ebene hoch über Amalfi stammt. Beim Rewe gabs aber nur Zottarella und Kirschtomaten aus Holland, die aber auch zuckersüß gezüchtet waren, und es schmeckte trotzdem.

Rezept: Pfannenpizza nach Genießerart und Margherita

Zwei Teile Pizzateig à 150 g,, am besten hausgemacht
Olivenöl

Zutaten Genießerart
1 EL pürierte Tomaten oder Tomatensauce, z.B. die mit Ananasmarmelade (Rezept hier)
75 g Mozzarella in dünnen Scheiben
1 Pfirsich, in Scheiben geschnitten
½ rote Zwiebel, in feine Scheiben geschnitten
3 dünne Scheiben Tiroler Speck

Zutaten Margherita
1 ½ EL pürierte Tomaten oder Tomatensauce, z.B. die mit Ananasmarmelade (Rezept hier)
200 g Kirschtomaten, in je drei Scheiben geschnitten
50 g Mozzarella in dünnen Scheiben
Basilikumblätter

Backofen auf 220 Grad vorheizen.
Zwei gusseiserne Pfannen mit Olivenöl auspinseln. Den in zwei Teile und dünn ausgewalzten Pizzateig hineinlegen und die Unterseite mit geschlossenem Deckel bei mittlerer Hitze wie bei einem Omelett braun braten.
Auf dem gebratenen Teig in den Pfannen die Tomatensauce verteilen.


Für die die Pizza nach Genießerart Mozzarellascheiben darauf geben. In den Backofen auf die mittlere Schien tun und fünf Minuten backen, bis der Käse geschmolzen ist. Pfirsich- und Zwiebelscheiben darauflegen und noch einmal 5 Minuten backen. Die Speckscheiben darauf geben und kurz weiterbacken, bis der Speck geschmolzen und der Käse und der Teig leicht braun geworden sind.


Für die Pizza Margherita die Kirschtomatenscheiben auf dem Teig mit der Tomatensauce verteilen und die Mozzarellascheiben darauf legen. Ca. 10 bis 12 Minuten im Ofen backen, bis der Käse geschmolzen und leicht gebräunt ist. Basilikumblätter darauf legen und die Pfanne kurz in den Ofen stellen, damit die Blätter zusammenfallen, aber nicht eintrocknen.

Mittwoch, 17. August 2016

Genussbereit auf Facebook 7




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Samstag, 13. August 2016

Bochum kulinarisch 2016: Edler Bellota-Schinken am Stand von „Diergardts Kühler Grund“



 Cortador Isidro Velasco bei seiner Arbeit am Schinken.

Ob’s im August stürmt oder schneit, die Gourmetmeile „Bochum kulinarisch“ bringt die Bürger der Stadt in Massen auf den Boulevard in der Innenstadt, dass es für die Gastronomen eine Freude ist. Seit Freitag steht im heißhungrigen Trubel am Stand des Hattinger Gasthauses „Diergardts Kühler Grund“ ein Mann, der eine geradezu transzendentale Ruhe verbreitet. Inbrünstig und mit äußerster Hingabe seziert der spanische Cortador Isidro Velasco den an einem in eine Halterung eingespannten Schinken als sei er der Herrgottsschnitzer von Oberammergau. Das Produkt, das er mit höchster handwerklicher Perfektion bearbeitet, ist das Spitzenerzeugnis der spanischen Lebensmittel-Produktion: der Bellota-Schinken, oder präzise gesagt, der Jamón Ibérico de Bellota.

Flach wie eine Tischplatte: 
Die hauchdünnen Tranchen müssen
präzise herausgearbeitet werden.

Wie sein nicht unedler Bruder, der Pata Negra, stammt der Bellota von Ibericoschweinen. Doch die müssen sich mindestens 40 Prozent ihres Körpergewichts in traditioneller Mast freilaufend durch die Früchte der Steineiche zugelegt haben und der Schinken muss unter größter Sorgfalt heranreifen. Verzehrt werden sollte er nur in hauchdünnen Scheiben bei mindestens 23 Grad Celsius, um sein himmlisch süßes, nussiges und kaum salziges Aroma zu entfalten. Vier verschiedene Fleischformationen birgt so eine Schinkenkeule, die es gilt, durch den perfekten Schnitt herauszuarbeiten. Und dafür braucht es eben einen Spezialisten, den sog. Cortador.

Entdecker und Künstler:
Herwig Niggemann und Isidro Velasco

Entdeckt wurden Isidro Velasco und seine Bellota-Schinken von Herwig Niggemann im spanischen Salamanca. Und der Senior-Chef des Niggemann Frische Marktes beschloss, die als „besten Schinken der Welt“ bezeichnete Spezialität über seinen Lebensmittel-Großhandel als Spitzenprodukt in die hiesige Gastronomie einzuführen. Er lud Isidro Velasco am Donnerstag zu einem Seminar, bei dem die Top-Gastronomen der Region in der hohen Kunst des Schinken-Schneidens instruiert wurden, und seit Freitag steht Isidro auf „Bochum kulinarisch“, um auch das Publikum vom feinen Geschmack der Schinken-Spezialität zu überzeugen.

 Meister und Schüler:
Isidro Velasco und Philipp Diergardt

In Philipp Diergardt hat er dabei einen idealen Partner gefunden, denn der junge Küchenchef von „Diergardts Kühler Grund“ weiß wie kaum ein anderer, solche extravagante Produkte zu schätzen.

 Bellota über Bochum.

Herwig Niggemann würde sich freuen, mit dieser Aktion einen neuen Trend in der gesamten gehobenen Gastromie und nicht nur etwa in der spanischen Länder-Gastronomie zu setzen. „Wir brauchen da neue, herausragende Produkte wie den Bellota-Schinken“, sagt er. Die Chancen dafür stehen gut, hat Niggemann doch schon das Ibericoschwein als Fleisch zum Braten in den Restaurants der Region zur kulinarischen Institution gemacht. Wer weiß, vielleicht gelingt das ja auch mit dem Bellota-Schinken. Dann können die Besucher von „Bochum kulinarisch“ sagen: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Gastrogeschichte aus und wir können sagen, wir sind dabei gewesen.“

Isidro Velasco und seine Bellota-Schinken sind noch bis Sonntag auf „Bochum kulinarisch" am Stand von „Diergardts Kühler Grund“ zu Gast.

Freitag, 12. August 2016

Musikalisch-kulinarische Meile 2016: I love Kettwig in the summer when it drizzles



Tortelloni mit Trüffeln zu italienischen Weisen:
Auftakt der Musikalisch-kulinarischen Meile Kettwig.

So ein Wetter wünscht sich keiner für eine Gourmetmeile. Pünktlich um vier, als gestern die „Musikalisch-kulinarische Meile“ in Essen-Kettwig startete, begannen die tiefsitzenden grauen Wolken sich mit einem Schnürregen zu entladen, der einfach nicht aufhören wollte. Novemberwetter – und das mitten im August.

Als der Genießer so gegen achtzehn Uhr eintrudelte, versuchte auf der Bühne der Sänger Riccardo Doppio mit sonnigen italienischen Weisen einige unentwegte Besucher aufzuheitern versuchte, gaben sich die fünf teilnehmenden Gastronomen gelassen.

Alter Fahrensmann: Diego Palermo
von der Trattoria Trüffel in Rüttenscheid 

Newcomer Jonas Lang vom Löwntal in Werden

Diego Palermo, der alte Fahrensmann von der Trattoria Trüffel, blickte wie die Kollegen von Bliss und MEAT mit fröhlicher Unerschütterlichkeit aufs Wochenende, schließlich hatten sie als Rüttenscheider Fraktion in diesem Jahre schon den verregneten Auftakt von „Rü Genuss pur“ hinter sich. Newcomer Jonas Lang vom Werdener Löwntal stellte ganz cool sein Angebot auf Spar-Flammkuchen um, schließlich hatte er in vergangenen Jahren als ehemaliger Koch im Bochumer Livingroom genug Outdoor-Erfahrung beim Zeltfestival Ruhr und bei „Bochum kulinarisch“ sammeln können. Die Kollegen der Bio-Metzgerei Scharun aus dem fernen Bottrop hatten schon den Kälteeinbruch zu Pfingsten auf dem „Spargel Gourmetfestival“ in Kirchhellen und die Schermbecker Sintflut hinter sich, während die Mädels vom „Müllers auf der Rü“ bei ihrem vierten Gourmetmeilen-Einsatz in diesem Jahr kess genug waren, den Vorhang an ihrem Stand ein wenig zuzuziehen, um nicht nass zu werden. Ihr singender Chef Nelson Müller ist übrigens am Sonntag, wenn das Wetter wieder schön ist, der Star der Musikalisch-kulinarischen Meile und bringt dann auch noch den souligen Singer-Songwriter Albert N'sanda zur musikalischen Unterstützung mit.

Aqua alta in Kettwig

Jahrzehntelang war die Musikalisch-kulinarische Meile in Kettwig eine Top-Veranstaltung, nicht zuletzt, weil sie die elegante Gastro-Landschaft des eigenständigen Essener Stadtteils widerspiegelte. Für ein kurzes Intermezzo zog sie als Seerosenfest ans Ruhrufer, kam dann aber wieder zurück in den Ortskern. Über diese Standortfrage kam es zum Streit zwischen Veranstaltern und Gastronomen, mit dem Ergebnis, dass in diesem Jahr kein Kettwiger Lokal außer Café Sprenger mit seinem Kaffee-und-Kuchen-Angebot dabei ist. Dafür gibt es im Programmheft fünf Grußworte – kann es sein, dass da zu viele Köche den Brei verderben?

Trotz des schlechten Wetters, der Genießers ließ es sich gut gehen. Hier die kulinarische Ausbeute eines verregneten Nachmittages.

Trattoria Trüffel
Tortelloni al Tartufo. Hausgemachte Nudeln mit Sahnesauce und schwarzen Trüffeln
Bei diesem Wetter war die mächtige Sahnesauce auf den weichen Nudeln mit Trüffelaromen (Fotos ganz oben) genau der Balsam für die Seele, den sie brauchte. Die rechte Mahlzeit zur rechten Zeit am rechten Ort. Dazu gab‘s ein Gläschen Primitivo aus Aüulien.

Löwntal
Flammkuchen mit halbgetrockneten Tomaten und Feta
Gern hätte der Genießer am Stand des Löwntals confierten Lachs mit Fenchel und Ananas probiert, doch Jonas Lang hatte angesichts der Wetterlage das Angebot auf Flammkuchen reduziert – verständlicherweise. Der knusprige Teigfladen mit den saftigen Tomaten (Foto ganz oben) mundete aber auch. Dazu gab’s einen Grauburgunder Oktav von Dr. Heger.

Müllers auf der RÜ
Meine Currywurst „Deluxe“ mit Süßkartoffelpommes, Wildkräutersalat, Mumbaicurry
Nelson Müllers luxuriöse Currywurst war ebenfalls genau das richtige Soulfood für den regengeplagten Genießer.

Bliss
Kurz gegrillter Thunfisch im Sesammantel,
Seealgensalat und Dip
Der exotische Thunfisch stillte die Sehnsucht nach Sonne und Meer und hätte die nötige
Erfrischung gebracht, wenn’s warm gewesen wäre. 

Löwntal
Schokoladenkuchen zum Dessert
Mächtig gut: Die Hochprozentige Schokolade sorgt auch bei schlimmsten Wetter für genügend Glückshormone.

Das Wetter wird gut. Am Wochenende.

Die Muskalisch-kulinarische Meile in Essen Kettwig geht noch bis 14. August 2016. Alle Infos hier.


Donnerstag, 11. August 2016

Bochum kulinarisch 2016 Eröffnung: Kälte sibirisch, Essen fantastisch



Einzug der kulinarischen Gladiatoren zur Eröffnung 

 Gastronomen-Parade: Klappern gehört zum Handwerk

Rein wettertechnisch hatten die Bochumer bei der gestrigen Eröffnung ihrer Gourmetmeile Glück im Unglück. Obwohl die Kälte für einen Augusttag geradezu sibirisch war, meinte der Wettergott es gut mit ihnen. Trotz eines heftigen Regenschauers, der genauso kurz, knapp und erfrischend war die die Eröffnungsansprachen von „Bochum kulinarisch“-Chef Heinz Bruns, Bochums Stadtdirektor Michael Townsend und Hattingens OB Dirk Glaser kurz zuvor, verbrachten tausende vermummte Schleckermäuler den Eröffnungsabend auf dem Boulevard in der Innenstadt. Ob die beiden etxra für diesen Anlass kreierten „Bochum kulinarisch“-Edelbrände dabei geholfen haben?

Spritzige Ansprachen wie der Regenguss danach:
Pressefrau Susanne Schübel, Chef-Gastronom Heinz Bruns,
Bochums Stadtdirektor Michael Townsend und Hattingens OB Dirk Glaser (v.r.)

16 Gastronomen aus Bochum, Hattingen und Witten bestreiten in diesem Jahr. Zwei Newcomer sind dabei: Gut Mausbeck aus Bochum-Gerthe und das Hattinger Restaurant An de Krüpe.

Der Genießer verbrachte den Eröffnungsabend auf zwei, sagen wir mal, gesellschaftlichen Ereignissen: dem Eröffnungsempfang am Stand der Privatbrauerei Moritz Fiege und anschließend beim Treffen der Mitglieder von Slow Food Bochum. Da blieb ihm nichts anderes übrig, als zu essen, was auf den Tisch kam, so dass die Auswahl der unten dokumentierten Gerichte rein zufällig zu Stande kam. Eine repräsentative Aussage traut er sich dennoch zu machen. Er fand die Gerichte alle so fantastisch, dass er „Bochum kulinarisch“ in seiner privaten Gourmetmeilen-Rangliste fürs Ruhrgebiet auf die Überholspur von „Essen genießen“ und „GourmeDo“ gesetzt hat.

 An de Krüpe
Hirschkalbs-Carpaccio mit Petersilienpesto, Parmesan, gebratenen Pfifferlingen und Salat
Würziger Einstieg vom Hattinger Wild-Spezialisten, der den nahenden Herbst vorwegnahm.

Tucholsky
Tatar vom Label-Rouge-Lachs mit Samtjoghurt, Meerrettichkaviar, Dill, Roggenbrot
Eher zurückhaltendner Gruß aus dem Bermudadreieck mit edelsten Zutaten.

Diergardts Kühler Grund
Gebratener Matjes mit Birne, Bohnen und Speck
Traditionsbewusste Kombi aus holländisch-norddeutschen Klassikern.

Diergardts Kühler Grund
Geschmorte Magerbäckchen mit BBQ-Jus, Pfifferlingen und Beluga-Linsen
Butterzart geschmortes Fleisch, erdige Beilagen, ein Gedicht.

Livingroom
Brandenburger Büffeljoghurt
mit marinierten Blaubeern, Quinoa und Karamell
Dessert von eleganter Un-Süße, schmeckt nicht nur Schaufensterpuppen. Witzig: Quinoa-Popcorn.

 Zum Wohle!

Bochum kulinarisch geht noch bis zum 14. August 2016.
Alle Infos hier.


Dienstag, 9. August 2016

Bochum: Neuer Spanier „La Mesa“ in Stahlhausen



Wenn Babak in der Küche steht, läuft's.

Viele Ruhrgebietler kennen den Koch und Gastronomen Babak Jawaheri noch aus Läden in Essen (z.B. Emilio) und vor allem aus seiner tragischen Zeit im Bochumer Zentral. Jetzt ist er aus dem heißen Pflaster der Bochumer City an den Rand der Innenstadt gezogen. In Stahlhausen eröffnete er vor etwa zwei Monaten das spanische Restaurant samt Weinhandel „La Mesa“. Die industriell geprägte Gegend südlich von Alleestraße und Westpark hat in letzter Zeit durch den unweit gelegenen Moltke Markt, den ersten Feierabendmarkt im Ruhrgebiet, einen ungeahnten kulinarischen Aufschwung genommen. Und auch das Gebäude, in dem die rustikalen Tische von „La Mesa“ stehen, hat es in sich. Das ehemalige Gesundheitshaus des Stahlwerks Bochumer Verein, in der Wirtschaftswunderzeit im schönsten 50er-Jahre-Stil erbaut und zwischenzeitig u.a. als Künstlerkolonie genutzt, wurde ganz stilgerecht zum Bessem-Carré renoviert und ist jetzt ein architektonisches Juwel in Bochum. Ein Ausflug ins „La Mesa“ mit seiner Terrasse im Grünen wird zudem dadurch erleichtert, weil es vor dem Haus einen großen Parkplatz gibt.

Gut besucht: La Mesa an der Bessemer Straße 

Schöne Weine in der Vinothek

Auf die Frage, was ihn an der spanischen Küche fasziniert, muss Babak lachen. „Eigentlich möchte ich ja asiatisch inspirierte Küche machen“, schmunzelt der gebürtige Iraner. Aber die Bochumer Szene mag’s nun mal spanisch-mallorquinisch, und der Erfolg gibt Babak Recht. An einem Dienstag Abend, mitten in den Sommerferien, brummt der Laden. Anfangs, als sich das Personal noch nicht eingespielt hatte, kam es bei dem großen Erfolg wohl zu Irritationen. Aber wenn Babak selbst am Herd steht, gibt es unschlagbare spanische Spezialitäten. Davon konnte sich der Genießer bei einem kleinen Pressestammtisch letzte Woche überzeugen, zumal es auch noch fantastische Weine aus der hübschen Weinabteilung des „La Mesa“ gab.

Pata Negra, Oliven und Manchego

 Ceviche vom Zander, Ziegenkäse und Rosmarin

 Frittierter Baby-Oktopus


Verschiedene Meeresfrüchte-Tapas


Ausflug nach Asien: Sashimi vom Thunfisch


Roastbeef und Filet vom Rind


Gegrilltes Eis mit Früchten

¡Salud!

La Mesa. Bochum, Bessemer Str. 30. Tel: 0234/45930572. Mo-Mi 17.00-22.00 Uhr, Do-So 18.00-24.00 Uhr. Infos hier.