Sonntag, 19. November 2017

Neueröffnet: Kochschule Rainer Schorer in Castrop-Rauxel



Rainer Schorer vom "Parkbad Süd"

Seit zweieinhalb Jahren ist Rainer Schorer Inhaber vom „Parkbad Süd“ In Castrop-Rauxel und hat damit neue Akzente in der Gastroszene im nordöstlichen Ruhrgebiet gesetzt. Der Restaurantführer „Dortmund geht aus“ setzte das Restaurant immerhin im Ranking „Locker & Lounge“ auf Platz 1. Seine Erfahrungen machte der ehemalige Küchenchef vom Waltroper Gasthaus Stromberg in verschiedenen Sternerestaurants. So arbeitete er bei Heinz Winkler, im Münchener Königshof und im legendären Tantris.

Jetzt eröffnet Rainer Schorer seine eigene Kochschule. Allerdings nicht im Restaurant, sondern bei Brauckhoff Küchen in am Busbahnhof in Castrop. „Die Küche im ‚Parkbad Süd‘ wäre einfach zu klein für Kochkurse“, meint Schorer, „und sie wird auch täglich gebraucht.“

Extravagante Designermöbel im Essbereich 

 Garderobe wie in der Zechenkaue

Die Wutz schaut zu

So ist die Location bei Brauckhoff die ideale Lösung. Luftig und geräumig in der ersten Etage gelegen, stört man nach Geschäftsschluss niemand. Und eingerichtet ist alles vom Feinsten. Vier Herde mit Backöfen und genügend Arbeitsplatten bieten Platz für bis zu 25 Kursteilnehmer, dazu gibt es Küchengeräte mit modernster Technik und Essplätze an extravaganten Designermöbeln. Der Garderobebereich wurde wie eine Zechenkaue eingerichtet. Die Teilnehmer können ihre Jacken an Haken hängen und an Ketten unter die Decken ziehen.

99 bis 119 Euro kosten die Kochkurse, je nach Wareneinsatz. Gekocht wird ein viergängiges Menü, das die Teilnehmer anschließend gemeinsam aufessen; dazu gibt es entsprechende Getränke. „Allerdings müssen die Leute auch arbeiten“, schmunzelt Schorer. „Nicht ich koche ihnen etwas vor, sondern sie müssen selbst Hand anlegen.“ Selbstverständlich steht er allen zur Seite und verrät Tipps und Tricks, so dass auch alles gelingt. Der erste Kochkurs findet am 25. November statt, weitere Termine sind am 13.12.2017 und am 20. Und 27.1.2018.

Der Meister zeigt Tipps und Tricks

Eine Besonderheit sind die Gesundheitskochkurse, die er zusammen mit dem Sportmediziner Arthur Jankowski anbietet. Schorer selbst betreute für den DFB die Jugendmannschaften und begleitet sie als Koch bei Länderspielen. Der erste Gesundheitskochkurs läuft am 12.1.2018 und widmet sich dem Kochen mit entzündungshemmenden Zutaten. Das 6-stündige wissenschaftliche Seminar auf Grundlage der klinischen Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI) kostet 385 Euro.

In einer exklusiven Präsentation bewirtete Rainer Schorer den Genießer mit einigen Gerichten, wie sie in den regulären Kochkursen hergestellt werden sollen. Zum Glück musste der Genießer nicht selbst kochen. Er durfte ganz einfach genießen.

 Geldermann-Sekt am Kaminfeuer


Hausgebeizter Lachs an zweierlei Avocado

Pikantes Curryschaum-Süppchen

Rillettes von der Gans an Rosmarin-Jus

Sous vide gegarte Entenbrust auf Rotkohl

Pochierter Heilbutt auf
Tomaten-Quinoa an Muschel-Safransud

Gratinierter Ziegenkäse




Kochschule & Eventlocation Rainer Schorer - Brauckhoff Küchen, Herner Str. 3, 44575 Castrop-Rauxel. Tel. 02305/9989613. Infos auf Facebook klick hier.

Donnerstag, 16. November 2017

Neu in Essen-Kettwig: Das edle türkische Restaurant „Liman“



Eleganter Gastraum: Wintergarten im "Liman"

Wer vom Südufer der Ruhr in „Kettwig Vor der Brücke“, wo heute das „Cowboystyle Steakhouse“ für den kulinarischen american way of life sorgt, über das Kettwiger Stauwehr fährt, wird auf der anderen Flussseite an der Uferpromenade des schmucken Essener Stadtteils seit eh und je von dem bügeleisenartigen Wintergarten einer eleganten Gastronomielocation empfangen. Ganz früher war hier mal ein Ableger des einstigen „Rigoletto“, einem Italiener, der sein Stammhaus ein paar Kilometer weiter unter der himmelhohen Mintarder Brücke an der Mendener Straße hatte. Dann versorgte hier jahrzehntelange das „Kemer“ die Kundschaft mit bodenständiger türkischer Küche.


Hakan Tartuk und sein Küchenchef Oktay Akyay

Seit vier Monaten residiert hier nun das „Liman“, zu Deutsch „Hafen“. Mit seinem edlen Ambiente zeigt der Laden, wie ein türkisches Restaurant heute aussehen kann. Der aus Duisburg stammende Betreiber Hakan Tartuk hat sein Gastronomiehandwerk in italienischen Restaurants gelernt und dann mit einem Partner „The Bosporus“ in Düsseldorf geführt. Dort ist er nun ausgestiegen, führt im „Liman“ jedoch den eleganten Stil der Landeshauptstadt weiter.

Stein im Brett ist dabei sein Küchenchef Oktay Akyay, den er aus Düsseldorf mitgebracht hat und der dort aufgrund seiner Kopfbedeckung den Spitznamen „Pirat“ erworben hat. Der Pirat macht eine kreative Küche auf dem Boden der osmanischen Tradition, die nichts mit der der niedrigpreisigen Imbisskultur zu tun hat, mit der die türkische Küche hierzulande identifiziert wird. Vielmehr orientiert er sich an dem feinen kulinarischen Erbe des Sultanspalastes des einstigen Weltreichs, verbunden mit der mediterranen Weltoffenheit der modernen Hotels an der Mittelmeerküste. Seine Geschmacks- und Zutatenkombinationen wie Lachs und pastırma, dem luftgetrockneten Rinderdörrfleisch aus dem Kaukasus, oder das eher arabisch anmutende Lamm mit Datteln und Walnüssen sind kultverdächtig. Seine Saucenmalereien sehen aus wie an der Düsseldorfer Kunstakademie gelernt, aber Achtung: anders als die manischen Actionpaintings auf den Tellern der 1990-er Jahren bestehen seine filgranen Kunstwerke nicht aus gaumenschmeichelndem süßsaurem Balsamico, sondern sind scharfe Chili- oder Tomatenreduktionen – die machen Appetit.

Kreative türkische Küche:
Mit pastırma umhüllter Lachs samt Tellerbemalung

Und auch handwerklich steht die Küche auf der Höhe der Zeit. Oktopus und Lamm zergehen auf der Zunge. (Bei dem geronnenen Fischeiweiß beim Lachs, das auf dem Foto zu sehen ist, wollen wir mal ein Auge zudrücken.) Einen ähnlichen Küchenansatz findet man im Ruhrgebiet etwa beim „Tablo“ oder in Ansätzen auch beim „Gurme“ in Bochum.


Unter diesen Voraussetzungen gestaltete sich der kleine Presseabend, den der Genießer mit einigen Kollegen im „Liman“ erleben durfte, zu einer wunderbaren kulinarischen Reise zu den türkischen Gestaden. Hier die Speisen in Wort und Bild.

 Vorspeisenplatte

 Pikante Gemüse:
Antep Ezme, Enginar Salatas
ı

Zucchinipuffer, Cacık



Oktopus butterzart

Mit pastırma umhüllter Lachs  auf Fenchel und Spinat

 Hurmalı Kuzu Dolma
Lammrücken gefüllt mit Datteln und Walnüssen
an Garnatapfelsauce

Milchdessert

Türkischer Süßwein zum Dessert

 Rakı

Mokka

Immer auf Trab: der Pirat

Liman, Promenadenweg 1,45219 Essen-Kettwig. Tel. 02054/4410. Di 17-22 Uhr, Mi-So 12-22 Uhr, Mo Ruhetag. www. liman-restaurant .de

Wochenplan: Kulinarische Termine vom 17. - 23.11.2017



bis 31.12.2017
Ausstellung
Essen außer Haus. Vom Henkelmann zum Drehspieß
Dortmund, Brauerei-Museum
Infos hier 

bis 14.1.2018
Ausstellung
Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum
Waltrop, LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Infos hier


bis 30.11.207
Kochquintett Kreis Vest
Menü im November
Bullerkotte, Marl-Polsum
Infos hier

bis 19.11.2017
Genussmesse
NRW - Das Beste aus der Region
im Rahmen der Messe "Mode, Heim, Handwerk"
Essen, Messe
Infos hier 









Kunstausstellung
Heimat
Bilder von Christian Nienhaus
18.11., 19 Uhr Vernissge Flying Menü mit Berthold Bühler und Knut Hannappel
19.11., 11 Uhr Flying Trüffel Menü mit Jeannette Schnitzler
Essen, FrischeParadies
Infos hier

18.11.2017
Präsentation des Weinguts von Hövel, Konz an der Saar
11-18 Uhr
Essen, Philharmonie, Conference Center

18.11.2017
Tag der offenen Tür
Bochum, Kochschule Kochmomente
Infos auf Facebook 
17.11. - 21.11.2017

Wein-, Bier- und Spirituosen-Events im Ruhrgebiet 2017. Klick hier
Wochen- und Feierabendmärkte im Ruhrgebiet. Klick hier
 

Mittwoch, 15. November 2017

Herbstvergnügen: Gebratener Fenchel und Rosenkohl │ marinierte Orangenfilets und Walnüsse │ Salsiccia al Finocchio



Eigentlich ein Resteessen. Ich hatte noch eine Handvoll Rosenkohl, eine Fenchelknolle und ein paar Frühlingszwiebeln im Gemüsekorb. Im Kühlschrank warteten drei kleine Salsicce auf den Verzehr. Also ans Werk, es konnte nur lecker werden. Bei einer Salsiccia holte ich das Brät aus der Pelle, um es wie Speck weiter zu verwenden. Die beiden anderen verwandelten sich beim Braten in eine; sie waren schludrig abgebunden. Aber was soll’s.

Gemüse, Obst und Nüsse

Salsiccia mit Fenchel

Gewürze für die Orangen-Marinade mit Vermouth

Rezept: Gebratener Fenchel und Rosenkohl │ marinierte Orangenfilets und Walnüsse │ Salsiccia al Finocchio

3 kleine Salsicce al Finocchio

10 Rosenkohl-Röschen
1 Fenchelknolle mir Grün
4-5 kleine Frühlingszwiebeln
1 gehackte Knoblauchzehe
1 gehacktes Stück Ingwer
Olivenöl
Salz, Pfeffer, Zucker
geriebene Muskatnuss
Gewürzmischung: 1 TL Pfefferkörnern, 1 TL Koriandersaat, 1 TL Piment, 1 TL Fenchelsamen und ½ TL Zimt in eine Gewürzmühle geben.

1 Orange
4 -5 Walnusskerne
0.1 l Glas Vermouth
2-3 EL brauner Zucker
1 Sternanis
1 Stange Zimt
1 TL Fenchelsamen
1 TL Macisblüte

Orange schälen und filetieren, Walnusskerne zerbröckeln. 0,1 l Vermouth, die gleiche Menge Wasser, Zucker, Sternanis, Zimt, Fenchelsamen und Macisblüte aufsetzen und köcheln lassen, bis sich der Zucker aufgelöste hat und alles ein wenig dicklich wird. Abseihen. Wenn der Sirup abgekühlt ist, die Orangenfilets und die Walnusskerne hineingeben und marinieren lassen.

Rosenkohl und Fenchel putzen, Fenchelgrün sicherstellen. 3-4 7 Millimeter dicke Scheiben aus der Mitte des Fenchels schneiden und beiseite tun.
Rosenkohl und Fenchelreste in heißem Salzwasser 4 Minuten blanchieren und abgießen. Blanchierten Rosenkohl halbieren und die Fenchelrest in Stücke schneiden. Das Weiße der Frühlingszwiebeln in Röllchen schneiden, Knoblauch und Fenchel hacken.
Eine Salsiccia aufschneiden und das Brät aus der Pelle puhlen. In etwas Olivenöl das Fett ausbraten, ein Prise Zucker darin karamellisieren. Frühlingszwiebelröllchen, gehackten Knoblauch und Ingwer dazugeben und kurz mitbraten. Dann die halbierten Rosenköhlchen und die Fenchelreste dazugeben und kräftig braten, bis das Gemüse schön braun ist. Mit der Gewürzmischung, Pfeffer, Salz und etwas geriebenem Muskat würzen.

Unterdessen die Fenchelscheiben mit Öleinstreichen, mit Pfeffer, Salz und Zucker würzen. In einer Grillpfanne die restlichen beiden Salsiscce braten. Nach einiger Zeit die Fenchelscheiben dazu geben und auf beiden Seiten mitbraten, bis sie braun und weich sind.

Zum Anrichten die Fenchelscheiben auf einen Teller geben, den Rosenkohl und mit den Salsicce, den marinierten Orangenfilets und Walnusskernen darauf geben. Mit etwas Sirup beträufeln und mit ein paar frischen Frühlingszwiebelröllchen und dem Fenchelgrün garnieren.





FrischeParadies Essen: Kunstausstellung „Heimat“ von Christian Nienhaus



Das FrischeParadies am Essener Großmarkt mausert sich immer mehr zum kulturellen Treffpunkt für kulinarisch Interessierte. Nachdem der Feinkost-Supermarkt vor zwei Monaten um ein Bistro erweitert wurde (klick hier), findet am kommenden Wochenende erstmals eine Kunstausstellung in der Markthalle statt. Vom 17. Bis zum 21.11.2017 zeigt der Gelsenkirchener Künstler Christian Nienhaus unter dem Titel „Heimat“ großformatige Gemälde.

Am Samstag, den 18.11., gibt es ab 19 Uhr ein „Vernissge Flying Menü“ (99 Euro), für das der Grandseigneur der Sterneküche im Ruhrgebiet Berthold Bühler und der Essener Spitzenkoch Knut Hannappel gewonnen werden können. Am Sonntag, den 19.11.2017, überrascht Jeannette Schnitztler ab 11 Uhr mit einem „art meets kitchen“-Brunch um den Trüffel (59 Euro).

Karten gibt es an der Kasse im FrischParadies und im Internet bei Christian Nienhaus (klick hier). Das Kontingent ist begrenzt.

 2013 gestaltete Christian Nienhaus Weinetiketten
für die Kult(ur)-Weinmesse der Essener Weinhandlung Rolf Kaspar.


Dienstag, 14. November 2017

Guide Michelin 2018: So viele Sternrestaurants wie lange nicht mehr im Ruhrgebiet. Neu: Laurushaus Kettwig und Ratsstuben Haltern.



Jetzt wieder mit Stern:
Erika Bergheim im Restaurant Laurushaus

Herzlichen Glückwunsch: Zum zweiten Mal hat Erika Bergheim für das Schlosshotel Hugenpoet in Essen Kettwig einen Michelinstern erkocht. Das erste Mal war es für das NERO von 2009 bis 2013, und jetzt nach der Umorganisation von Schloss Hugenpoet für das Restaurant Laurushaus.

Und ein zweites neues Sternerestaurant gibt es: Die Ratssuben im Ratshotel in Haltern am See. Auch hier einen herzlichen Glückwunsch.

Trotz des Abgangs der Kettwiger Résidence Ende 2016 hat jetzt das Ruhrgebiet so viele Sternerestaurants wie lang nicht mehr.

Hier die komplette Liste:

Rosin, Dorsten, 2 Sterne
Am Kamin, Mülheim, 1 Stern
Goldener Anker, Dorsten: 1 Stern
Haus Stemberg, Velbert, 1 Stern
Landhaus Köpp, Xanten, 1 Stern
Laurushaus im Schlosshotel Hugenpoet, Essen, 1 Stern
Palmgarden, Dortmund, 1 Stern
Ratsstuben, Haltern, 1 Stern
Schote, Essen, 1 Stern

Montag, 13. November 2017

Genießers Kochkurs: Burger hausgemacht



Herbstburger under construction

Selten hatte der Genießer so viel Lampenfieber vor einem Kochkurs wie am letzten Freitag. Erstens war der Kurs – nach dem Erfolg des ersten vor einem Jahr (klick hier) - mit 16 Teilnehmern ausgebucht, die er im Alleingang bändigen musste, und zweitens konnte der Kurs nicht in der vertrauten Küche im Kulturzentrum der VHS Herne stattfinden. Die wird aus Brandschutzgründen z.Zt. renoviert, und so musste der Kurs in die mir fremde Lehrküche in der Schule an der Viktor-Reuter-Straße ausweichen. Und dann sollten vier verschiedene Burger aus Rind- bzw. Schweinefleisch, Pulled Pork und Fisch hergestellt werden, von denen jeder Teilnehmer mindestens einen zum Probieren bekommen sollte – also 4 x 16, sprich 64 Stück plus vier für den Kursleiter, der schließlich auch Hunger hatte. Ein Theaterregisseur hätte angesichts dieser Kantinenleistung längst seine Künstlermähne geschüttelt und ausgerufen: „Unter diesen Bedingungen kann ich nicht arbeiten!“

Klassischer Burger
mit Ketchup, Mayonnaise und Salat
Patty aus Bürgermeisterstück vom Bio-Weiderind
und Tafelspitz vom US-Beef
Bun aus Kartoffelteig mit Haferflocken. 

 Herbstburger
mit Rotkohl und Apfeltatar
Patty aus Schulter vom Bunten Bentheimer
und Bauch vom Duroc-Schwein
Bun aus Kürbisteig mit Kürbiskernen

 Pulled Pork Burger
mit Ketchup und Mayonnaise 
Patty aus Nacken vom Bunten Bentheimer 
Bun aus Hefeteig mit Sesam

Fischburger
mit Mayonnaise und Salat
Patty aus Seelachsfilet 
Bun aus Hefeteig mit Sesam

Doch dann verlief alles ganz entspannt und harmonisch. Die Teilnehmerschar entpuppte sich als ganz wunderbare Truppe. Von Liebespärchen Anfang zwanzig, über Väter mit Söhnen und Mütter mit Töchtern bis hin zu Rentnern um die siebzig waren alle Generationen vertreten. Routinierte Hobbyköche arbeiteten mit Anfängern Hand in Hand. Besonders erfrischend war es, junge Mädchen beim Durchdrehen zu erleben, allerdings nicht als vegane Lady-Gaga-Imitation, sondern beim handfesten Umgang mit rohem Rindfleisch, ganz ohne modische Berührungsängste. Der Burger als generationsübergreifendende, gesellschaftliche Sinnstiftungs-Mahlzeit: wer hätte das gedacht.

  Generationen-Treff beim Burger-Machen:
Die Jugend dreht durch...

 ...die Senioren schälen Kartoffeln.

Dabei ist für den Genießer der Burger keineswegs ein besonders bewundernswertes kulinarische Produkt. Vielmehr halte ich ihn für eine gastronomische Erscheinung, die die respektlose Behandlung von Fleisch in der modernen Konsumgesellschaft symbolisiert. Das Hackfleisch ist durch das Durchdrehen bis zur Unkenntlichkeit entstellt, die Herkunft aus der Wegwerfküche des Fast Foods für den unsäglichen Ressourcenverbrauch in der Massenrinderhaltung verantwortlich. Symptomatisch war die Frage eines Teilnehmers, als ich erklärte, welch teure Fleischsorten ich gekauft hatte: „Ist das nicht zu schade?“

Ganz im Gegenteil. Was rechtfertigt, mit dem Burger einen Kochkurs zu bestreiten, ist die Tatsache, dass man ihn mit exzellentem, nachhaltig produziertem Fleisch zubereitet und so zu einem Homemade Burger adelt, sozusagen zum Sonntagsbraten unter den Burgern, den man aber auch nur zur besonderen Gelegenheiten isst.

Im Uhrzeigersinn:
Bürgermeisterstück, Bauch vom Duroc-Schwein,
Schulter und Nacken vom Bunten Bentheimer. 
Nicht im Bild: Tafelspitz vom US-Beef und Seelachsfilet

Also hatte der Genießer die edlen Fleischvorräte im Mittleren Ruhrgebiet aufgekauft: Für den Klassischen Burger (klick hier) nach der Burger-Bibel „Burger Unser“ Tafelspitz vom US-Beef und ein Bürgermeisterstück vom niederheinischen Bio-Rind, für den farbenfrohen Herbstburger aus dem Kochblog „Maltes Kitchen“ Schulter vom westfälischen Bunten Bentheimer und Bauch vom Thüringer Duroc-Schwein. Für unseren Burger mit Pulled Pork in 90 Minuten nach dem You-Tube-Kanal „Ehrliches Essen“ kam der Bio-Nacken ebenfalls vom Bunten Bentheimer zum Einsatz. Daneben wirkte das Seelachsfilet für den Fischburger aus dem Blog „Cahama“ geradezu profan, lieferte aber ein super Ergebnis.

Patties aus Rindfleisch, Fisch, Pulled Pork (gegart) und Schweinefleisch

Natürlich drehten wir das Fleisch für die Patties selbst durch, genauso, wie wird uns die Buns selbst buken. Dazu griffen wir auf ein Rezept zurück, bei dem der Teig nur vierzig Minuten gehen muss und das sich schon beim letzten Kurs bestens bewährt hatte. Als Varianten stellten wir für den Klassischen Burger einen Teig her, dem wir noch etwas Kartoffelstampf untermischten, und für den Herbstburger einen Teig, zu dem noch etwas Kürbispüree kam. Auf die Zeit des Gehens hatte das keinen Einfluss.(Zum Rezept für die Buns klick hier.)

 Buns mit Kürbis und Kartoffeln und Haferflocken

Das Kürbispüree, für das ein kleiner Hokkaidokürbis im Ofen für eine Stunde gegart wurde (was der Genießer aus Zeitgründen schon zu Hause gemacht hatte), machte Probleme. Das Püree hatte noch zu viel Flüssigkeit und hätte noch bei niedriger Temperatur völlig trocken gedörrt werden müssen. So wurde der Teig kletschig, so dass keine Buns geformt werden konnten. Doch die Teilnehmer hatten eine gute Idee. Sie strichen den Teig auf ein Backblech, buken ihn und schnitten ihn nachträglich in printenartige Stücke. Das war vielleicht nicht ganz burgerlike, tat dem wunderbaren Geschmack aber keinen Abbruch.

Ein ähnliches Problem trat beim Pulled Pork auf. Normalerweise wird dafür ein Schweinenackenbraten am Stück im Smoker über Stunden gegart, bis es faserig ist und mit zwei Gabeln gepullt, d.h. zerzupft werden kann. You-Tuber Marco behauptet in einem Video (klick hier) vollmundig, das würde mit Nackensteaks im Backofen auch in 90 Minuten klappen, also ideal für unser Zeitfenster. Wir hielten uns an seine Vorgaben, doch unser Buntes Bentheimer war zu charaktervoll, um sich zerrupfen zu lassen. Es war herrlich, zart und saftig, nur das Pullen ging nicht. Also schnitten wir es in dünne Tranchen und belegten damit unsere Burgerbrötchen.

Im Gegensatz zum Burgerkurs im letzten Jahr gelangen die Fischburger mit einem etwas modifizierten Rezept diesmal ganz ausgezeichnet. Gerieten die Fischfrikadellen, auch aufgrund der Fischsorten, damals zu flüssig, war die Konsistenz jetzt ideal.

Zutatenprodukte: Ketchup, Rotkohlsalat, Kartoffelwedges u.a.

Alle sonstigen Zutaten und Beilagen stellten wir natürlich ebenfalls selbst her: einen fruchtig-scharfen Ketchup nach einem Rezept von Katrin Manzke von der Manufaktur „Im Glas“ in Bochum-Dahlhausen (klick hier), Mayonnaise und als Sättigungsbeilage (jawoll!) Kartoffelwedges. Das vorgeschlagene Mayonnaisen-Rezept mit Olivenöl schmeckte den Teilnehmern nicht, also machten sie kurzerhand eine mit Rapsöl nach eigenen Vorstellungen. Die übrig gebliebene Schmorflüssigkeit des Pulled Pork wurde zu einer schönen BBQ-Sauce eingekocht. Dazu kamen noch fertig eingelegte Gurkenscheiben und ein paar Salatblätter.

Fazit: Der Kochkurs endete mit einem einzigartigen Burger-Schmaus!

Und hier noch einmal die Links zu den Rezepten :

Teig für die Buns: klick hier
Ketchup: klick hier
Mayonnaise: klick hier 
Kartoffelwedges: klick hier

Klassischer Burger aus Rindfleisch: klick hier
Herbstburger aus Schweinefleisch: klick hier
Pulled Pork Burger: klick hier
Fischburger: klick hier

Impessionen

16 Kursteilnehmer legen los.

Wer ist schneller?
 
Die Wedges kommen aufs Blech.

Ob das was wird?

Und hier etwas Rotkohl, und da etwas Rotkohl.

Keine Berührungsängste mit dem Fleisch.

Immer rein in den Fleischwolf.