Sonntag, 27. Dezember 2009

Weihnachtsmenü: Kastaniensuppe, Sauerbraten mit Serviettenknödel, Filderrotkraut, Apfelkompott und Cranberries, Rotweinbirne mit Schokoladenpudding




Solange sich der Genießer erinnern kann, wird der Sauerbraten zu Weihnachten und anderen Feiertagen in einem ovalen, schwarzen Bratentopf zubereitet. Das Ding stammt wohl noch aus der sich erst langsam golden färbenden Nachkriegszeit. Er ist dünnwandig, hat angeschmiedete Henkel, eine sparsame, dünne Emaillierung und ist von klassischer Schönheit. Hierin wurde das Fleisch eingelegt, angebraten und dann auf dem Ofen geschmort. War der Braten fertig, wurde er herausgenommen und die Marinade zur Sauce eingekocht. Schon als kleines Kind mochte der Genießer den faszinierenden Geruch von Wurzelwerk, Essig, Lorbeer, Nelken und den anderen Gewürzen.

Irgendwann vor 25 oder dreißig Jahren unterzog Mama dann die Küche einer größeren Renovierung. Dabei wurde der alte Gasherd durch einen neuen Elektroherd ersetzt. Der Boden des Bratentopfes war durch das Gasfeuer wellig geworden, die Emaille brüchig, und so war das ein Anlass, ihn gegen einen neuen auszuwechseln. Der Genießer, längst schon Herr über einen eigenen Herd, nahm in einer sentimentalen Aufwallung den Topf an sich und rettete ihn vor der Verschrottung. Mit dem Elektroherd und dem neuen Topf wurde Mama aber nicht glücklich, und so musste der Genießer das gute Stück schon bald wieder retournieren. Also wurde fortan darin trotz verbeultem Boden dank jahrelanger Erfahrung auch auf der Elektroplatte wieder bestens angebraten, und es gab weiterhin wunderbaren Sauerbraten. Seit ein paar Jahren ist das Kochen für Mama allerdings zu beschwerlich geworden, und so nahm der Genießer den Topf wieder an sich bereitet nach wie vor den weihnachtlichen Sauerbraten darin zu.


Dieses Jahr gab es am ersten Weihnachtsfeiertag ein fast zweieinhalb Kilo schweres, aus der Rinderkeule geschnittenes und prächtig abgehangenes „Birnenstück“ von Metzger Gläser. Der Genießer legte es für fünf Tage mit viel Petersilienwurzel, Karotten, Sellerie und Gewürzen in südfranzösischen Syrah mit dem würzigen Namens „Les Épices“ von der Domaine „Les Yeuses“ und einer Tasse Rotweinessig ein und schmorte ihn dann bei 160 Grad in knapp zweieinhalb Stunden wunderbar gar. Dazu gab es mit einem Boskopapfel verfeinerten Filderotkraut, Apfel- und Cranberrie-Kompott. Unorthodoxer Weise versuchte sich der Genießer diesmal an Serviettenklößen statt an den üblichen Kartoffelknödeln halb und halb. Als Vorspeise gab es eine Kastaniensuppe, zum Nachtisch Birnen in Côtes du Rhône von Guigal mit Pudding von Schokolade mit 85 Prozent Kakao-Gehalt.
Und der Weihnachtswein? Das war ein 2000er Chateauneuf-du-Pape von der „Domaine de Marcoux“, der mit seiner Opulenz die Sauerbratensauce ohne Probleme in die Schranken wies.

Kommentare:

  1. hört sich gut an, Ihr Weihnachtsmenü. Das Fazit meines Menüs an Heilig Abend: Nie wieder Wildschweinkeule. Zu trocken, zu langweilig. Sicher, es könnte an der Köchin liegen - was ich nicht vermute, denn Vorsuppe, Beilagen, Soße und Dessert waren gut. Aber vom Menü wird sie trotzdem verbannt.

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  2. Leider ist beim Autofahren, Kochen, Essen und Weintrinken das Fotografieren ein wenig unter die Räder gekommen...

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  3. Mein lieber Mann - das sieht ja schwer nach der Rolls Royce-Version unseres Weihnachtsessens aus!

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  4. @ Mardermann: Glaube ich nicht: Ihr hattet mehr Pferde unter der Haube!

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